Es gibt diese eine Sekunde, die im digitalen Menü alles entscheidet: Der Gast scrollt, bleibt kurz hängen – oder eben nicht. Und oft liegt’s nicht am Gericht, nicht am Preis, nicht an der Rezeptur. Sondern am Foto. Nicht, weil es „perfekt“ sein muss. Sondern weilL weil es verständlich sein muss: Was ist das? Wie groß ist es ungefähr? Macht es Lust? Ein gutes Food-Foto ist wie ein freundlicher Blick aus der Küche: „Das wird dir gefallen.“
Wenn du beim Wort Food-Fotografie sofort an Studio-Licht und Profi-Kamera denkst: entspann dich. Für ein digitales Menü brauchst du kein Profi-Setup. Du brauchst wiederholbare Basics, die schnell gehen – und Fotos, die auf dem Handy funktionieren. In diesem Artikel zeige ich dir genau das: ein einfaches System mit Smartphone, Fensterlicht und ein paar kleinen Handgriffen. Und ich verspreche dir: Das macht nicht nur hübsche Bilder, sondern vor allem verkaufsstarke.
Warum „schöne“ Fotos im Menü nicht reichen (und was stattdessen zählt)
Im Menü sind Fotos kein Kunstprojekt. Sie sind Orientierung und Appetit in einem. Gäste wollen schneller entscheiden. Und du willst, dass sie nicht ewig grübeln – sondern bestellen. Darum funktionieren im digitalen Menü Bilder am besten, die drei Dinge schaffen: klarer Fokus (das Gericht ist eindeutig das Hauptthema), sauberes Licht (man erkennt Textur und Frische) und konsistente Optik (damit das Menü nicht wie ein Flickenteppich wirkt).
Das Gute: Diese drei Dinge hängen kaum von teurem Equipment ab. Sie hängen von ein paar Entscheidungen ab, die du immer wieder gleich triffst. Und genau damit starten wir.
Das 10-Minuten-Setup, das du immer wieder nutzen kannst
Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann bitte diese: Stell dir einen „Foto-Platz“ zusammen, der immer funktioniert. So musst du nicht jedes Mal neu überlegen. Der schnellste Weg zu guten Bildern ist nicht Talent – es ist Routine.
1) Der beste Freund: Fensterlicht
Such dir einen Platz nah am Fenster. Nicht mitten in die Sonne, sondern ins helle, weiche Tageslicht. Das macht Essen automatisch frischer, saftiger und echter. Künstliches Deckenlicht mischt oft Gelb- und Grüntöne rein, und plötzlich sieht die Pasta aus wie gestern. Wenn du nur abends Zeit hast: lieber ein helles Fenster am Tag blocken und dann kurz „Shooting-Zeit“ einplanen, statt nachts unter Spots zu kämpfen.
2) Weich machen statt „knallen“: Diffusor und Reflektor
Wenn das Licht zu hart ist (knallige Schatten, glänzende Stellen auf Sauce oder Käse), mach es weicher. Das geht billig: ein Duschvorhang, Backpapier oder ein weißer Vorhang zwischen Fenster und Teller – fertig ist dein Diffusor. Auf der anderen Seite stellst du etwas Weißes auf (Styroporplatte, weißes Kartonpapier, sogar ein großes Blatt) und „füllst“ damit Schatten auf. Das Ergebnis wirkt sofort hochwertiger, ohne dass es künstlich aussieht.
3) Hintergrund, der verkauft: ruhig, nicht langweilig
Der Klassiker im Restaurant: Im Hintergrund steht noch die Cola-Kiste, daneben liegt die Serviette, dahinter blitzt eine Speisekarte – und dein Gericht wirkt plötzlich klein. Im digitalen Menü willst du das Gegenteil: Das Gericht soll groß wirken, wichtig wirken, lecker wirken. Nimm deshalb einen ruhigen Hintergrund. Holz, Steinoptik, ein einfarbiges Brett, ein neutraler Tisch – alles super. Wenn du Muster nutzt, dann sehr dezent. Der Star ist das Essen, nicht die Tischdeko.
Die drei Winkel, die fast immer funktionieren (und warum)
Viele Fotos scheitern nicht am Licht, sondern am Blickwinkel. Ein Burger von oben kann flach wirken. Eine Pizza von der Seite kann seltsam aussehen. Die Lösung ist überraschend simpel: Es gibt ein paar Winkel, die für die meisten Gerichte zuverlässig funktionieren – und wenn du diese Winkel bewusst wählst, sparst du dir 80% der Experimente.
Overhead (von oben): perfekt für „flache“ Gerichte und Übersicht
Von oben fotografiert wirkt alles aufgeräumt und klar: Bowls, Pizza, Salate, Frühstücks-Bretter, Suppen, Kuchenstücke, Sharing-Platten. Overhead ist auch ideal, wenn du mehrere Elemente zeigen willst (z. B. Gericht + Dip + Beilage), ohne dass es chaotisch wird.
45 Grad: der Allrounder für Menüs
45 Grad ist der Winkel, der im digitalen Menü oft am besten „liest“. Du siehst die Oberfläche (Textur!) und bekommst gleichzeitig ein Gefühl für Höhe und Portion. Das funktioniert für Pasta, Tellergerichte, Desserts, Drinks – eigentlich für alles, was nicht komplett flach ist und nicht extrem hoch.
Seitenansicht: wenn Höhe die Story ist
Alles, was „türmt“ – Burger, Tortenstücke, Sandwiches, Getränke mit Schichten – profitiert von mehr Seitenblick. Hier bekommt das Gericht eine Bühne. Wichtig ist nur: Hintergrund wirklich ruhig halten, sonst wirkt die Seitenansicht schnell unordentlich.
Smartphone-Einstellungen: weniger Technik, mehr Kontrolle
Du musst kein Foto-Nerd werden. Aber zwei, drei Gewohnheiten machen einen großen Unterschied. Erstens: Blitz aus. Immer. Der Blitz macht harte Reflexe, glänzende Saucen und unnatürliche Farben – genau das, was Essen unappetitlich wirken lässt. Zweitens: Tippe auf den wichtigsten Bereich (meist die vorderste, attraktivste Stelle) und zieh die Belichtung minimal runter, wenn das Bild zu hell wirkt. Ein Hauch dunkler sieht oft „reicher“ aus und erhält Texturen.
Drittens: Zoom vermeiden. Wenn du näher ran willst, geh physisch näher ran. Digitaler Zoom nimmt Qualität, und im Menü willst du crisp und klar. Und viertens: mach lieber drei Fotos als eins – aber nach System. Ein Foto overhead, eins bei 45 Grad, eins als Detail (z. B. Käse zieht, Kräuter, Kruste). Du brauchst keine 30 Varianten. Du brauchst drei gute.
Komposition ohne Kunststudium: So wirkt dein Gericht größer und wertiger
Komposition klingt nach „Regeln“, ist aber im Alltag nur eine Frage: Wohin schaut das Auge zuerst? Im Menü soll die Antwort immer lauten: aufs Essen. Darum funktionieren diese kleinen Kniffe besonders gut: Lass Luft um den Teller (nicht zu knapp schneiden), halte Linien gerade (Tischkante nicht schief), und vermeide „Zufall“ im Bild. Wenn Besteck, dann bewusst platziert. Wenn Serviette, dann ordentlich. Wenn Kräuter, dann wie ein Finish – nicht wie ein Unfall.
Ein goldener Satz: Alles, was nicht hilft, weg damit. Ein Menüfoto ist keine Reportage. Es ist ein klarer, appetitlicher Moment.
Format & Zuschnitt: Damit dein digitales Menü nicht wie ein Foto-Album wirkt
Digitale Menüs sind mobil. Das heißt: Thumbnails, Karten, Listenansichten – und immer wieder unterschiedliche Bildschirmgrößen. Wenn jedes Bild ein anderes Format hat, wirkt das Menü unruhig. Der Gast scrollt, und das Auge stolpert. Nimm dir deshalb ein Standardformat vor und bleib dabei. Quadratisch oder ein einheitliches Querformat sind oft die stressfreiste Wahl, weil sie sich in vielen Layouts sauber einfügen.
Beim Zuschnitt gilt: Lass dem Gericht Raum in der Mitte. Schneide nicht so knapp, dass beim späteren Anzeigen plötzlich der Burger oben „enthauptet“ wird. Denk wie ein Designer: Das Bild muss in klein funktionieren. Wenn es im Thumbnail nicht appetitlich wirkt, wird es in groß selten retten.
Bearbeitung: Der schnelle „Lecker“-Look, ohne dass es fake wirkt
Du brauchst keine Presets und keine stundenlange Retusche. Für Menüfotos reichen meist drei Anpassungen: ein bisschen heller oder dunkler (aber nicht ausgewaschen), Weißabgleich korrigieren (damit Weiß wirklich weiß ist) und minimal Kontrast, damit Textur sichtbar wird. Vorsicht bei Sättigung: Zu viel macht Tomaten neonrot und Basilikum radioaktiv. Im Zweifel lieber natürlicher. Gäste bestellen das Gericht später in echt – und die Enttäuschung zwischen Foto und Teller ist das Letzte, was du willst.
Häufige Fehler (und die schnellsten Fixes)
Manche Fehler sind so verbreitet, dass man sie fast übersieht – bis man sie einmal bewusst korrigiert. Wenn deine Fotos „irgendwie nicht gut“ wirken, liegt es oft an genau diesen Dingen: Mischlicht (Fenster + Deckenlampe), zu viel Hintergrundkram, zu harte Schatten, falscher Winkel oder ein Bild, das zwar schön ist, aber im Menü nicht erklärt, was man bekommt.
Die Fixes sind erstaunlich schnell: Deckenlicht aus, ans Fenster, Licht weich machen, Hintergrund leeren, einen der drei sicheren Winkel wählen, einmal sauber zuschneiden. Das ist kein großer Umbau – eher ein kleiner Reset.
Bonus für digitale Menüs: Bildgröße & Ladezeit sind Teil der User Experience
Ein unterschätzter Punkt: Ein Foto kann noch so lecker sein – wenn das Menü langsam lädt, ist die Lust schnell weg. Große Bilddateien bremsen auf mobilen Netzen, und genau da passiert die Entscheidung „Ich klick wieder zurück“. Mach es dir deshalb zur Gewohnheit, Bilder vor dem Hochladen zu komprimieren und in modernen Formaten zu speichern, wenn deine Plattform das unterstützt. So bleiben die Bilder scharf, aber leicht – und dein Menü wirkt schneller, professioneller und angenehmer.
Eine kleine Routine, die wirklich funktioniert: 20 Minuten pro Kategorie
Wenn du viele Gerichte hast, brauchst du einen Plan, sonst wird’s nie fertig. Mach es dir leicht: Nimm dir pro Woche eine Kategorie vor (z. B. „Desserts“), und shootest dafür in einer Session. Gleiche Licht-Situation, gleicher Hintergrund, gleiche Winkel. Dadurch entsteht automatisch Konsistenz – und dein Menü sieht aus, als hätte es jemand „designt“, obwohl du einfach nur konsequent warst.
Und noch ein Trick, der dich schneller macht: Fotografiere nicht jedes Gericht. Fotografiere zuerst die Bestseller, die Signature-Gerichte und alles, was erklärungsbedürftig ist. Ein klarer Grillteller braucht oft kein Foto. Ein besonderes Dessert, ein Seasonal Special oder ein spektakulärer Drink schon eher.
Mini-Check am Ende (wirklich mini)
Wenn du vor dem Upload kurz prüfen willst, ob das Foto im Menü „arbeitet“, reichen diese Fragen:
- Sieht man auf den ersten Blick, was es ist?
- Wirkt das Essen frisch und natürlich (keine Blitz-Optik)?
- Ist der Hintergrund ruhig genug, damit das Gericht dominiert?
Fazit: Verkaufen heißt hier vor allem „leicht machen“
Food-Fotos fürs digitale Menü müssen nicht wie Magazin-Cover aussehen. Sie müssen den Gästen das Bestellen leicht machen: klar, hell, appetitlich, konsistent. Wenn du dir ein simples Fensterlicht-Setup baust, drei Winkel beherrschst und beim Upload an Dateigröße und Einheitlichkeit denkst, hast du schon mehr gewonnen als die meisten. Und dann passiert etwas Schönes: Dein Menü wirkt nicht nur moderner – es fühlt sich auch so an. Für deine Gäste. Und für dich.