Du kennst das: Ein Gast möchte „nur schnell“ einen Cappuccino – und plötzlich startet ein kleines Interview. Welche Größe? Welche Milch? Mit Sirup? To go? Und während vorne noch geklärt wird, ob Hafermilch heute extra kostet, hat die nächste Person schon die Geduld verloren. Das Problem ist selten die Vielfalt an sich. Das Problem ist, wie sie dargestellt wird.
Digitale Speisekarten können Varianten und Extras wunderbar abbilden – wenn du sie wie einen gut organisierten Service denkst: Schritt für Schritt, klar beschriftet, mit Preisen, die sich logisch anfühlen. In diesem Guide bekommst du ein praxistaugliches System, das Gäste nicht überfordert und dir gleichzeitig hilft, Upgrades sauber zu verkaufen (ohne dass es nach Trickkiste aussieht).
Erst die Begriffe klären: Variante, Add-on oder Upgrade?
Bevor du irgendetwas im Menü-Editor klickst, lohnt sich eine klare Trennung im Kopf. Eine Variante ist eine Auswahl, bei der der Gast eine Option nimmt und die anderen automatisch wegfallen. Klassisch: klein/mittel/groß, 0,3/0,5, Single/Double, mild/scharf. Ein Add-on ist optional und kann zusätzlich gewählt werden, manchmal sogar mehrfach: extra Käse, Avocado, Topping, Sauce, Beilage. Ein Upgrade ist in der Regel ein „Tausch nach oben“: Pommes statt Salat, Premium-Beilage statt Standard, Double Patty statt Single.
Diese Unterscheidung ist nicht pedantisch – sie ist die Grundlage dafür, dass dein Menü auf dem Handy nicht wie ein Formular wirkt. Viele Kassensysteme und Menü-Setups arbeiten genau mit diesem Prinzip (Varianten/Modifiersets), weil es sowohl für Gäste als auch intern am saubersten ist.
Die goldene UX-Regel: Eine Entscheidung pro Schritt
Je mehr Optionen du gleichzeitig auf einen Screen packst, desto mehr mentaler Aufwand entsteht – und desto eher passiert das, was im Alltag wie „Unentschlossenheit“ aussieht: Gäste brechen ab, fragen nach oder klicken einfach irgendwas. Gute digitale Menüs führen deshalb wie ein höflicher Kellner: erst die wichtigste Entscheidung, dann die Extras. Nielsen Norman Group beschreibt dieses Prinzip ganz allgemein: Mehr Auswahl erhöht den Aufwand, gute Entscheidungen zu treffen.
Praktisch heißt das: Größe zuerst (Variante), dann Milch (Variante oder Add-on – je nach Logik), dann Extras (Add-ons). Drei kleine, klare Schritte sind fast immer besser als eine riesige Optionswand.
Preise, die fair wirken: So machst du Aufpreise nachvollziehbar
Aufpreise sind nicht das Problem – Überraschungen sind es. Der Gast akzeptiert „+0,50“ oft völlig entspannt, wenn es sauber beschriftet ist. Unruhe entsteht, wenn Preise versteckt sind, wenn die Logik nicht erkennbar ist oder wenn das Menü sich wie ein Puzzle anfühlt.
Ein bewährtes Detail aus der Menüpsychologie ist die Art, wie Preise dargestellt werden. In einem Cornell-Experiment gaben Gäste mehr aus, wenn Preise ohne Währungssymbol präsentiert wurden (im Vergleich zu Formaten mit $). Das ist kein Freifahrtschein, überall das €-Zeichen zu entfernen – aber es ist ein Hinweis: Preisdarstellung ist UX. Entscheidend ist, dass deine Darstellung konsistent ist (immer gleich formatiert) und der Gast schnell versteht, was Basispreis ist und was Aufpreis.
Mein Tipp für digitale Menüs: Nutze klare „+“-Aufpreise bei Add-ons, und halte Variantenpreise „voll“ sichtbar (z. B. klein 3,20 / groß 4,60), statt versteckt zu rechnen. So kann niemand das Gefühl haben, etwas wird verschleiert – und du reduzierst Rückfragen im Service.
Beispiel 1: Getränkegrößen, die sofort verstanden werden
Getränkegrößen sind Varianten – Punkt. Das heißt: genau eine Auswahl ist Pflicht, der Rest verschwindet. So wird aus „Welche Größe?“ ein schneller Klick.
Stell dir ein Wasser vor: „Still“ als Artikel, darunter die Größen als Varianten. Wichtig: Schreib nicht nur „klein/mittel/groß“, sondern gib einen Anker dazu (ml oder Glas/Flasche). „0,33l“ ist im digitalen Menü keine Nebensache, sondern Orientierung.
Danach kommen Add-ons, wenn es welche gibt: Zitrone (+0,20), Eiswürfel (gratis), Minze (+0,30). Der Gast erkennt sofort: Erst wähle ich die Größe, dann kann ich verfeinern. Kein Chaos, kein Rätselraten.
Beispiel 2: Milchalternativen im Café – ohne Diskussion an der Theke
Milch ist ein Klassiker, weil sie je nach Betrieb unterschiedlich behandelt wird: Manche Alternativen sind inklusive, andere kosten extra. Wichtig ist, dass du dich für eine Logik entscheidest und sie überall gleich anwendest.
Variante-Logik: „Milch wählen“ (Pflicht) mit Optionen wie Vollmilch (inkl.), laktosefrei (inkl. oder +0,20), Hafer (+0,50), Soja (+0,50). Das funktioniert besonders gut, wenn du möchtest, dass wirklich jede Bestellung eine klare Milch-Auswahl hat – auch um Missverständnisse zu vermeiden.
Add-on-Logik: Wenn du „Standardmilch“ als Default voraussetzen willst, kannst du Alternativen als Add-ons führen („Hafermilch +0,50“). Das ist oft kürzer – birgt aber das Risiko, dass Gäste die Alternative „übersehen“ und dann doch nachfragen. Für Cafés mit hohem Tempo ist die Pflicht-Variante häufig entspannter.
Wenn du zusätzlich Extras wie Sirup anbietest, trenne sie sichtbar von der Milch. Sirup ist ein Add-on, Milch ist eine Grundentscheidung. Und genau diese Trennung sorgt dafür, dass sich die Bestellung leicht anfühlt.
Beispiel 3: Burger, Bowls & Add-ons – Upsell ohne Menü-Labyrinth
Hier passiert das meiste Geld – und hier entsteht am schnellsten Verwirrung. Der Trick ist, Add-ons nicht als endlose Liste zu zeigen, sondern als kleine, sinnvolle Gruppen: „Toppings“, „Saucen“, „Beilagen-Upgrades“. Intern ist das auch für deine Datenpflege Gold wert, weil du dieselben Gruppen bei mehreren Artikeln wiederverwenden kannst.
Ein Burger kann z. B. eine Pflicht-Variante haben („Single/Double“) und danach optionale Add-ons: extra Käse (+1,00), Bacon (+1,50), Avocado (+1,80). Ein Upgrade wäre der Tausch der Beilage: Standardbeilage inklusive, Upgrade auf Süßkartoffelpommes (+1,50) oder Beilagensalat (+1,20).
Das fühlt sich für Gäste wie ein Baukasten an – und nicht wie eine Prüfung. Und genau so empfehlen es auch viele POS- und Menü-Workflows: Add-ons als Modifiers/Extras so anlegen, dass sie leicht auswählbar sind und sinnvoll vorgeschlagen werden können.
So setzt du es sauber um: Pflicht, optional, Limits
Wenn du Varianten und Add-ons technisch abbildest, gibt es drei Stellschrauben, die fast alles entscheiden: Pflicht vs. optional, Min/Max-Auswahl und Default. Eine Größe ist meist Pflicht (genau 1 Auswahl). Extras sind optional (0 bis X). Saucen sind oft „max. 2“, damit es nicht ausartet. Und wenn du einen Default setzt (z. B. Standardbeilage), muss der sichtbar sein – sonst wirkt es wie ein Trick, wenn später etwas „automatisch“ drin ist.
Gerade bei digitalen Menüs lohnt sich diese Disziplin doppelt: Du reduzierst Choice Overload für Gäste, und du reduzierst Pflegeaufwand, weil du nicht für jede Kombination neue Artikel bauen musst.
Die häufigsten Fehler – und wie du sie elegant vermeidest
Der häufigste Fehler ist, alles in einen Topf zu werfen: Größen, Milch, Extras, Upgrades – alles unter „Optionen“. Das wirkt schnell unübersichtlich und lässt Gäste zweifeln, ob sie gerade das Richtige anklicken. Der zweite Fehler ist eine Optionsliste ohne Preissignale: Wenn Aufpreise erst am Ende sichtbar werden (oder gar nicht), entsteht Misstrauen. Und der dritte Fehler ist inkonsistente Sprache: Mal steht da „+0,50“, mal „Aufpreis 0,50“, mal „0,50 extra“. Deine digitale Speisekarte ist auch ein Interface – Konsistenz ist hier keine Pedanterie, sondern Komfort.
Fazit: Klarheit verkauft – und schont Nerven
Wenn du Varianten als Pflicht-Entscheidung führst, Add-ons als optionale Verfeinerung gruppierst und Upgrades als „Tausch nach oben“ logisch benennst, passiert etwas Angenehmes: Gäste klicken schneller, fragen weniger nach und fühlen sich sicherer. Und du bekommst deine Vielfalt unter Kontrolle, ohne sie zu reduzieren.
Das Ziel ist nicht, weniger Auswahl zu bieten. Das Ziel ist, Auswahl so zu präsentieren, dass sie sich leicht anfühlt. Genau dann wird aus „Extras“ ein Service – und aus „Upgrades“ ein natürlicher Teil der Bestellung.