Im Büro scannt der QR-Code sofort. Am Tisch im Gastraum passiert… nichts. Gäste wackeln mit dem Handy, kippen den Kopf, zoomen, probieren es ein zweites Mal – und geben dann auf. Genau solche Situationen sind der Grund, warum ein sauberer QR-Rollout nicht beim Erstellen endet, sondern beim Testen beginnt.
Der größte Denkfehler ist, QR-Codes wie ein digitales Feature zu behandeln. In Wahrheit sind sie ein Stück „Hardware im Alltag“: Sie werden gedruckt, angefasst, gereinigt, stehen schief, spiegeln, werden bei Kerzenlicht gescannt oder in direkter Sonne. Wenn du das Testen wie ein kleines Qualitäts-Screening angehst, fallen die typischen Probleme auf, bevor Gäste sie finden.
Was du beim Testen eigentlich prüfst (ohne es zu merken)
Ein QR-Test ist immer eine Mischung aus drei Dingen: Kann die Kamera den Code technisch erfassen? Versteht der Scanner die Struktur schnell genug? Und ist das Ergebnis für Gäste sofort nutzbar? Gerade der erste Teil scheitert oft an ganz banalen Faktoren: zu wenig Kontrast, zu kleine Größe, zu wenig Rand oder ein Hintergrund, der das Muster „verschluckt“.
Ein Klassiker ist die fehlende „Luft“ rund um den Code: QR-Codes brauchen eine freie Quiet Zone, also einen unbedruckten Rand, damit Scanner den Code sauber vom Umfeld trennen können. In der Praxis gilt sehr häufig die Faustregel von vier Modulen Rand auf allen Seiten.
Die Profi-Regel: Teste nicht den QR-Code – teste die Realität
Geräte-Mix: iPhone + Android ist Pflicht, nicht Kür
Du brauchst keine riesige Gerätesammlung, aber mindestens zwei unterschiedliche Welten: ein iPhone und ein Android-Gerät. Denn Kamera-Software, Fokus-Verhalten und Scanner-Implementierungen reagieren unterschiedlich auf Glanz, Dunkelheit und feine Raster. Wenn du nur auf deinem eigenen Handy testest, testest du vor allem: dein Handy.
Licht: QR-Codes sterben nicht an Technik, sondern an Schatten und Spiegelungen
In Restaurants ist Licht selten „neutral“. Es ist warm, punktuell, manchmal dunkel. Dazu kommen Reflexionen auf Glas, Acryl oder glänzend laminierten Aufstellern. QR-Usability-Guidelines empfehlen deshalb meist eine Darstellung im „Light Mode“: dunkler Vordergrund auf hellem Hintergrund, weil klare Kanten entstehen und Scanner die Muster besser erkennen – besonders in schwierigen Lichtbedingungen wie dunklen Räumen oder direkter Sonne.
Entfernung: Größe ist keine Designfrage, sondern Physik
Wenn Gäste am Tisch scannen, sind sie nah dran. Wenn du den Code am Fenster, Eingang oder an der Theke platzierst, ändert sich der Scan-Abstand – und damit die benötigte Größe. Als praktische Faustregel wird oft ein Verhältnis von etwa 10:1 genutzt: Zehn Einheiten Abstand bedeuten ungefähr eine Einheit Code-Größe. Das ist keine Magie, sondern eine simple Planungsregel, die dir hilft, aus „sieht gut aus“ ein „scannt zuverlässig“ zu machen.
Mehrfachdruck: Warum ein Druckproof der billigste Lebensretter ist
Viele QR-Probleme entstehen erst beim Druck: unscharfe Kanten, zu niedrige Auflösung, graue Flächen statt tiefem Schwarz, oder ein Design, das den Rand versehentlich mit einem Rahmen „zuschneidet“. Darum gehört zu jedem Go-live ein Proof: ein Testdruck auf dem echten Material (Sticker, Aufsteller, Karte), am besten in der finalen Größe.
Wenn du mehrere Druckwege nutzt (z. B. Sticker vom Druckdienstleister, Aufsteller intern gedruckt, Fensterfolie separat), gilt eine goldene Regel: Jede Variante bekommt ihren eigenen Scan-Test. Unterschiedliche Druckverfahren können den Kontrast und die Kantenschärfe so verändern, dass ein Code auf Material A perfekt und auf Material B zickig ist.
Das Testprotokoll: Ein Ablauf, der vor jeder neuen Menüversion funktioniert
Damit das Ganze nicht zur „Wir probieren mal kurz“-Nummer wird, hilft ein festes Protokoll. Du gehst es vor jedem Update durch – so wie man vor dem Service kurz checkt, ob genug Besteck da ist. Der Unterschied: Dieser Check spart dir peinliche Momente am Tisch.
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Link-Check: Scanne den Code und prüfe, ob du auf der richtigen Menüseite landest (nicht auf einer Testversion, nicht auf der Homepage, nicht auf einem alten Menü). Öffne die Seite zusätzlich über die Tipp-Alternative, falls du eine unter dem Code stehen hast.
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Quiet-Zone-Check: Schau dir den Druck genau an: Ist rund um den Code wirklich freie Fläche? Als gängige Anforderung werden vier Module Rand rundherum genannt.
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Geräte-Check: Scanne mit mindestens einem iPhone und einem Android. Wenn möglich, nimm zusätzlich ein älteres Gerät dazu (nicht jeder Gast hat das neueste Modell).
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Licht-Check: Teste in drei Szenarien: hell (Tageslicht), schummrig (Abendstimmung), „Problemlicht“ (Reflexionen/Spotlight/nahe am Fenster). Achte darauf, ob eine Light-Mode-Darstellung (dunkel auf hell) den Scan spürbar stabilisiert.
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Entfernungs-Check: Scanne aus typischer Gästeposition: sitzend am Tisch, stehend an der Theke, aus der Distanz am Eingang/Fenster. Wenn es eine Außenplatzierung gibt, orientiere dich an einer 10:1-Faustregel für Distanz zu Code-Größe.
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Performance-Check: Miss nicht mit Stoppuhr, aber fühl es: Lädt die Seite schnell genug, dass es „sofort“ wirkt? Wenn nicht, wird der QR-Code zwar gescannt, aber trotzdem als „funktioniert nicht“ wahrgenommen.
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Mehrfachdruck-Check: Wenn du Sticker, Aufsteller und Karte hast: Jede Druckvariante einmal komplett durchtesten. Ein Code kann auf einem Material top aussehen und auf einem anderen durch Glanz oder Unschärfe verlieren.
Typische Fehler, die Profis fast immer zuerst prüfen
Wenn ein QR-Code nur „manchmal“ scannt, ist das oft ein Hinweis auf Rand, Kontrast oder Reflexion – also auf Dinge, die im Design schnell übersehen werden. Der zweite Klassiker ist die Platzierung: Der Code ist zwar scanbar, aber aus der realen Haltung heraus unpraktisch (zu weit weg, zu hoch, zu schräg). Und der dritte Klassiker ist die Erwartung: Gäste scannen, aber wissen nicht, was sie bekommen – deshalb lohnt sich ein klarer Call-to-Action direkt daneben, der den Nutzen in einem Satz erklärt.
Mini-Setup: Der kleine Testkoffer, der wirklich reicht
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2 Smartphones (iPhone + Android)
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1 Proofdruck pro Material (Sticker/Aufsteller/Karte)
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1 Abend-Test im echten Licht (nicht nur am Tag)
Fazit: Ein QR-Code ist erst „fertig“, wenn er im schlechtesten Licht scannt
Wenn du deinen QR-Code nur in perfekten Bedingungen testest, bekommst du perfekte Ergebnisse – die in der Realität nichts wert sind. Mit einem festen Protokoll, einem kleinen Geräte-Mix, Licht- und Distanztests sowie einem Proof pro Material baust du dir eine Routine, die Ausfälle drastisch reduziert. Und das Beste: Für Gäste wirkt es nicht wie Technik – sondern einfach wie ein Menü, das sofort da ist.