Gedruckte Speisekarten zu aktualisieren ist mühsam und teuer – und trotzdem passiert die wichtigste Entscheidung oft in Sekunden: Ein Gast scannt, bleibt kurz hängen und bestellt. Wenn deine Beschreibungen dabei nur „mit Beilage“ sagen, wirkt selbst ein großartiges Gericht austauschbar. Wenn sie dagegen klar, konkret und appetitlich formuliert sind, fühlt sich die Entscheidung leicht an – und genau das verkauft.
Dieser Mini-Workshop ist dafür gedacht, dass du heute noch starten kannst. In 30 Minuten überarbeitest du die Texte deiner wichtigsten Gerichte so, dass sie schneller verstanden werden, mehr Vertrauen schaffen und Lust machen – ohne Übertreibung, ohne hohle Superlative und ohne Marketing-Kitsch.
Warum gute Menütexte so stark wirken (und warum „mehr Text“ nicht automatisch besser ist)
Menschen lesen auf dem Smartphone selten Wort für Wort. Sie scannen: Überschriften, erste Wörter, markante Begriffe. Darum entscheidet nicht die Gesamtlänge, sondern ob die ersten Sekunden schon ein klares Bild im Kopf auslösen. Gute Menütexte sind in diesem Sinn wie guter Service: Sie beantworten die typischen Fragen, bevor sie gestellt werden.
Und ja: Wörter können messbar etwas verändern. In Feldexperimenten wurde beobachtet, dass beschreibende Labels die Bestellwahrscheinlichkeit erhöhen können – vorausgesetzt, sie passen zum Gericht und werden nicht inflationär eingesetzt. Das ist keine Einladung zu „blumig um jeden Preis“, sondern ein Hinweis: Präzise Sprache ist ein Werkzeug, kein Schmuck.
Der 30-Minuten-Plan: So gehst du vor, ohne dich zu verzetteln
Du arbeitest nicht am ganzen Menü, sondern an den Gerichten, die den größten Hebel haben: deinen Top-Sellern, Signature-Items oder den Artikeln, zu denen dein Team am häufigsten Rückfragen bekommt. Nimm dir zehn Gerichte (oder zehn Getränke) und lege eine Standard-Textlänge fest. Ab hier läuft der Workshop wie eine Mise en Place: erst Ordnung, dann Tempo.
Minute 0–5: Ton, Zielgruppe und Textlänge festnageln
Entscheide dich für einen Ton: eher klassisch-wertig oder eher modern-locker. Beides funktioniert – aber gemischt wirkt es unruhig. Dann wählst du eine Standardlänge pro Bereich. Ein Drink braucht selten zwei Sätze; ein Signature-Hauptgericht darf ein Detail mehr haben. Wichtig ist, dass sich das Menü „wie aus einem Guss“ liest.
Minute 5–12: Der Bauplan für einen Satz, der Appetit macht
Statt jedes Mal neu zu überlegen, nutzt du einen einfachen Bauplan. Er sorgt dafür, dass du konkret wirst, ohne ausschweifend zu werden:
Was ist es? (Hauptzutat) – Wie gemacht? (Zubereitung) – Wie schmeckt es? (Geschmack/Textur) – Was ist das Besondere? (Herkunft, Handwerk oder Signature-Twist).
Der Trick ist die Kombination aus Geschmack und Textur. „Knusprig“, „cremig“, „rauchig“, „zitronig-frisch“, „nussig“ sind kleine Wörter, die sofort ein Bild erzeugen. Wenn du merkst, dass du zu viele Adjektive sammelst, streiche zuerst die leeren („super“, „mega“, „ein Traum“) und behalte die sinnlichen, die etwas Konkretes sagen.
Minute 12–20: Vorher/Nachher – damit du den Effekt sofort siehst
Jetzt überarbeitest du deine zehn Texte mit dem Bauplan. Hier sind Beispiele, wie wenig es manchmal braucht:
Beispiel 1 – Klassiker:
Vorher: „Wiener Schnitzel mit Petersilienkartoffeln.“
Nachher: „Wiener Schnitzel vom Kalb, goldbraun paniert und knusprig ausgebacken, dazu Petersilienkartoffeln und Preiselbeeren.“
Beispiel 2 – Bowl (vegan/vegetarisch):
Vorher: „Gemüse-Bowl mit Sauce.“
Nachher: „Bunte Bowl mit geröstetem Gemüse, Zitronen-Tahini und knackigem Rotkohl, getoppt mit Sesam – frisch, nussig und leicht.“
Beispiel 3 – Café-Getränk:
Vorher: „Cappuccino.“
Nachher: „Cappuccino mit cremigem Milchschaum und kräftigem Espresso – auf Wunsch mit Haferdrink.“
Beispiel 4 – Bar/Alkoholfrei:
Vorher: „Spritz alkoholfrei.“
Nachher: „Alkoholfreier Spritz: zitrusfrisch, leicht herb, mit prickelndem Tonic und Orangenzeste.“
Du siehst das Muster: nicht „schöner schreiben“, sondern „klarer und sinnlicher“. Gäste müssen nicht raten, was sie bekommen.
Minute 20–26: Die Vorlage für konsistente Textlängen (damit dein Menü ruhig wirkt)
Wenn jedes Gericht anders lang ist, wirkt das Menü unruhig. Mit einer Längen-Vorlage wird es automatisch „aufgeräumter“ – und das spart deinen Gästen Zeit.
| Bereich | Empfohlene Länge | Formel |
|---|---|---|
| Snacks & Drinks | ca. 80–140 Zeichen | Was ist es? + 1 Geschmacksanker |
| Hauptgerichte | ca. 140–240 Zeichen | Hauptzutat + Zubereitung + Textur/Geschmack + Signature |
| Signature-Gerichte | ca. 240–340 Zeichen | Wie Hauptgerichte + 1 Herkunfts-/Handwerksdetail |
Wichtig: Das sind Leitplanken, keine Gesetze. Der eigentliche Gewinn ist Konsistenz. Wenn Gäste wissen, was sie erwartet, lesen sie entspannter.
Minute 26–30: Der Go-live-Check (kurz, aber gnadenlos ehrlich)
Zum Schluss prüfst du jeden Text wie ein Gast am Tisch – schnell, ohne Kontext, mit wenig Geduld:
Check 1: Kann man nach dem Lesen in einem Satz sagen, was es ist und wie es schmeckt?
Check 2: Tragen die ersten 5–7 Wörter die Hauptaussage (auch beim schnellen Scrollen)?
Check 3: Ist das Versprechen realistisch (keine Superlative, die du nicht immer halten kannst)?
Check 4: Sind ähnliche Gerichte ähnlich beschrieben (Ton, Länge, Struktur)?
Check 5: Gibt es „Rätselwörter“, die ohne Erklärung eher verwirren als neugierig machen?
Typische Fehler, die gute Gerichte klein wirken lassen
Viele Menüs scheitern nicht am Essen, sondern an drei Gewohnheiten: zu vage („mit Beilage“), zu technisch („Komponentenliste ohne Geschmack“) oder zu aufgeblasen („Gourmet-Superlative“). Besonders bei digitalen Menüs ist Klarheit die halbe Miete: Je weniger jemand verstehen muss, desto schneller wird bestellt.
Ein Sonderfall sind sehr minimalistische, „codierte“ Beschreibungen. Das kann in manchen Konzepten bewusst eingesetzt werden, führt aber auch schnell zu Rückfragen („Was ist das genau?“). Wenn du minimalistisch schreiben willst, dann gib wenigstens einen Geschmacksanker oder eine Textur – damit Neugier nicht in Frust kippt.
SEO ohne Keyword-Stopferei: So mögen Menschen und Google deine Texte
Für organischen Traffic hilft dieselbe Logik wie im Gastraum: Inhalte sollen Menschen wirklich helfen. Statt Keywords zu stapeln, nutzt du natürliche Begriffe, die Gäste ohnehin verwenden („knusprig“, „hausgemacht“, „vegan“, „alkoholfrei“, „Cappuccino mit Haferdrink“) und kombinierst sie mit klarer Struktur (Überschriften, kurze Absätze, konkrete Details). Dann fühlt sich der Text nicht nach SEO an – sondern nach Kompetenz.
Wenn du deine Speisekarte als digitale Speisekarte mit QR-Code anbietest, kannst du außerdem interne Verlinkungen nutzen: Von „Vegane Gerichte“ zu „Allergene & Intoleranzen“, von „Getränke“ zu „Alkoholfrei“. So wird aus einzelnen Artikeln ein Content-Hub, der sowohl Nutzern als auch Suchmaschinen klare Wege bietet.
Fazit: Der schnellste Weg zu besseren Menütexten ist ein System
Du brauchst keinen Geistesblitz für jede Beschreibung. Du brauchst ein System, das dich zu konkreten, appetitlichen Details führt: Hauptzutat, Zubereitung, Geschmack/Textur, Signature. Wenn du das einmal sauber aufsetzt und die Länge pro Bereich standardisierst, wirkt dein Menü sofort hochwertiger – und du sparst dir in Zukunft Zeit bei jeder Änderung.
Und wenn du nur eine Sache heute umsetzt: Nimm deine zehn wichtigsten Gerichte, gib ihnen je einen echten Geschmacksanker und eine klare Zubereitung. Das sind oft 30 Minuten, die sich länger auszahlen als jede Design-Diskussion.