Es gibt digitale Speisekarten, die fühlen sich an wie eine kleine Marke. Du scannst den QR-Code – und sofort ist klar: Hier steckt Liebe drin. Und dann gibt es digitale Speisekarten, die wirken wie eine Excel-Tabelle auf dem Handy: korrekt, aber seelenlos. Der Unterschied ist selten „mehr Inhalt“, sondern fast immer visuelle Führung. Bilder sind dabei das stärkste Werkzeug – allerdings nur, wenn du sie gezielt einsetzt. Zu viele Bilder machen ein Menü nicht schöner, sondern unruhiger. Zu große Bilder machen es nicht hochwertiger, sondern langsamer.
In diesem Tutorial bekommst du ein sauberes System: Welche Bilder gehören in den Header, welche in den Body, welche in den Footer? Welche Formate funktionieren im Alltag, ohne Ladezeiten zu ruinieren? Und welche Motive kannst du selbst erstellen, ohne Fotostudio, ohne Profi-Licht, ohne dass es nach „Stockfoto“ schreit?
Warum Bilder im Menü überhaupt wirken (und wann sie stören)
Bilder im Menü haben zwei Jobs. Erstens: Sie geben Orientierung. Ein gutes Headerbild sagt in einer Sekunde, in welcher Welt man gelandet ist – rustikal, modern, vegan, Fine Dining, Espresso-Bar, Hotel-Lounge. Zweitens: Sie bauen Appetit auf. Und Appetit ist die angenehmste Form von Entscheidungshilfe.
Sie stören, wenn sie die Lesbarkeit kapern. Wenn zwischen jedem zweiten Gericht ein Foto auftaucht, wird aus dem Menü ein Instagram-Feed – und Gäste verlieren das Gefühl für Struktur. Wenn Bilder so groß sind, dass das Menü beim Öffnen ruckelt, ist das kein „Design“, sondern Reibung. Die Faustregel lautet: Wenige Bilder, dafür mit klarer Funktion.
Der Header: Dein erstes Versprechen in 2 Sekunden
Der Header ist die Bühne. Er muss nicht erklären – er muss fühlen lassen. Ein Headerbild funktioniert am besten, wenn es ruhig ist und Platz für Text lässt (Menüname, ggf. Untertitel). Stell dir vor, der Header ist wie das Cover eines Magazins: zu laut wirkt billig, zu leer wirkt ungewollt.
Was im Header fast immer gut aussieht: eine stimmige Totale (Raum, Bar, Theke), eine ruhige Nahaufnahme (Kaffeebohnen, Holz, Stein, Stoff), oder ein „Signature“-Moment (Dampf über einem Teller, ein eingeschenkter Drink, ein Croissant im Morgenlicht). Was selten gut aussieht: zehn Dinge auf einmal. Der Header ist nicht die Speisekarte selbst – er ist der Rahmen.
Praxis-Tipp: Wenn dein Menü auf Smartphones geöffnet wird, denkt der Header in „breit“: lieber ein Panorama-artiger Bildausschnitt als ein hochformatiges Motiv, das ständig abgeschnitten wird. Schneide das Motiv so, dass das Wichtigste in der Mitte bleibt – dort ist die Chance am größten, dass es auf verschiedenen Geräten gut aussieht.
Der Body: Appetit-Spots statt Bilderflut
Im Body entscheiden Gäste. Hier sind Bilder am wertvollsten, wenn sie wie kleine Leuchtpunkte funktionieren: Sie lenken Aufmerksamkeit auf das, was du wirklich pushen willst. Das kann dein Bestseller sein, ein saisonales Highlight oder ein besonders erklärungsbedürftiges Gericht („Wie sieht das aus?“). Ein Foto bei jedem Gericht klingt logisch, wirkt aber in der Realität schnell wie ein Katalog – und das bremst.
Wenn du Bilder im Body nutzt, dann mit einem Plan: ein bis drei Bilder pro Kategorie (oder sogar nur im ganzen Menü) reichen oft völlig. Und achte darauf, dass die Bilder nicht „schreien“. Ein einheitlicher Look ist wichtiger als perfekte Food-Fotografie. Gleiche Perspektive, ähnliche Helligkeit, ähnliche Farbtemperatur – das macht sofort professioneller.
Ein kleiner Trick aus der Praxis: Wenn du keine perfekten Fotos hast, arbeite lieber mit Textur statt mit „fertigem Teller“. Ein schönes Detailfoto (Zitrone, Basilikum, Kakaopulver, Latte-Art, Brotkruste) wirkt hochwertig und verzeiht kleine Foto-Fehler.
Der Footer: Vertrauen, Abschluss, Kontakt – ohne den Flow zu brechen
Der Footer ist der letzte Eindruck. Hier geht es weniger um Appetit, mehr um Vertrauen und Orientierung: Öffnungszeiten, Kontakt, Socials, Adresse, vielleicht ein kurzer Markensatz („Hausgemacht“, „Regional“, „Familienbetrieb“). Ein Footerbild sollte deshalb sehr ruhig sein. Denk an eine dezente Hintergrundfläche, ein Logo, ein kleines Motivband oder eine leichte Textur.
Wenn du im Footer ein Foto nutzt, dann eher als Stimmung: Außenaufnahme bei Abendlicht, ein ruhiger Ausschnitt aus dem Raum, ein Detail der Marke. Alles, was „Action“ enthält, zieht Gäste gedanklich wieder nach oben – und der Abschluss verliert seine Aufgabe.
Dateigröße & Format: So bleibt dein Menü schnell
Im digitalen Menü ist Geschwindigkeit Teil des Designs. Selbst das schönste Bild verliert, wenn es die Karte beim Öffnen ausbremst. Die wichtigsten Hebel sind simpel: passende Abmessungen, modernes Format, saubere Kompression.
Für Fotos sind moderne Bildformate wie WebP (oder, wenn verfügbar, AVIF) meist ideal, weil sie bei ähnlicher Qualität deutlich kleinere Dateien ermöglichen. Für Logos und Icons sind SVG oder sehr kleine PNGs oft sinnvoll, weil Kanten sauber bleiben. Und ganz wichtig: Lade keine „Kamera-Originale“ hoch. Ein 12-Megapixel-Foto ist für ein Menü-Headerbild schlicht Overkill.
Faustregel statt Mathematik: Exportiere Bilder so, dass sie auf dem typischen Smartphone scharf wirken – aber nicht größer. In vielen Fällen reicht eine Breite im Bereich von etwa 1200 bis 2000 Pixeln für große Flächen. Und beim Dateigewicht gilt: lieber mehrere Bilder im niedrigen bis mittleren dreistelligen KB-Bereich als ein einziger MB-Klotz.
Kompression ohne Qualitätsdrama: So findest du den Sweet Spot
Kompression klingt nach „kaputt machen“, ist aber in Wahrheit ein Qualitätsregler. Die meisten Fotos sehen auch bei leicht reduzierter Qualität noch hervorragend aus – vor allem auf dem Handy. Wenn du exportierst, starte mit einer mittleren Qualitätsstufe und geh schrittweise runter, bis du gerade eben erste Artefakte siehst. Dann geh einen Tick zurück. Das ist der Sweet Spot.
Ein zweiter Profi-Trick: Komprimiere nicht nur die Datei, sondern auch das Motiv. Bilder mit viel „Rauschen“ (dunkle Innenräume, viele kleine Details, gemusterte Flächen) werden schwerer. Ein ruhiger Hintergrund und gutes Licht machen Bilder automatisch kleiner – und schöner.
Einfache Motive ohne Profi-Shooting: 9 Ideen, die immer funktionieren
Du brauchst keine Food-Fotoserie mit Studioblitz. Du brauchst Motive, die nach dir aussehen. Wenn du mit dem Handy fotografierst, nutze Tageslicht am Fenster und halte das Setup simpel. Hier ein paar Motive, die erstaunlich zuverlässig funktionieren: ein Signature-Drink in der Hand, ein Teller von oben auf ruhigem Untergrund, ein Detail aus dem Raum (Lampe, Bar, Holzstruktur), ein nahes Zutatenfoto (Kräuter, Kaffee, Zitrus), ein „Team“-Moment ohne Gesichter (Hände beim Anrichten), eine Außenaufnahme mit Schild/Logo, ein Dessert-Detail, eine saisonale Mini-Szene (Kürbis, Erdbeeren), ein neutraler Hintergrund mit deinem Logo.
Wenn du Stockfotos nutzt, wähle sie so, dass sie nicht „zu perfekt“ sind. Ein bisschen Authentizität wirkt teurer als Hochglanz.
Branding, das man fühlt: So bleiben Header, Body und Footer aus einem Guss
Stimmigkeit entsteht durch Wiederholung. Wähle eine Bildsprache und bleib dabei: ähnliche Perspektiven (z. B. immer leicht von oben), ähnliche Lichtstimmung (warm oder neutral), und wiederkehrende Elemente (gleicher Hintergrund, gleiche Textur, gleiche Art von Ausschnitt). Das ist der Unterschied zwischen „ein paar Bilder“ und „Design“.
Wenn du mehrere Menüs hast (Frühstück, Lunch, Dinner, Saison), nutze denselben Header-Stil als Klammer: gleiche Bildhöhe, ähnliche Motive, vielleicht sogar ein wiederkehrendes Pattern. So fühlt sich jede Karte neu an, aber nie fremd.
SEO & Barrierefreiheit: Kleiner Aufwand, großer Effekt
Auch in Menüs lohnt es sich, sauber zu arbeiten: sinnvolle Dateinamen (z. B. „cafe-musterstadt-header.webp“ statt „IMG_4837.webp“), kurze Alt-Texte, die das Motiv beschreiben, und keine Textinformationen, die nur im Bild stehen. Denn Text im Bild ist für viele Nutzer schwer lesbar – und für Suchmaschinen und Screenreader praktisch unsichtbar. Wenn Öffnungszeiten wichtig sind, gehören sie als Text ins Menü, nicht als Foto.
Mini-Check: Ist dein Menü visuell „rund“?
- Header wirkt ruhig, markig und lässt Platz für Menüname.
- Body nutzt wenige Bilder gezielt (Highlights statt Flut).
- Footer schafft Abschluss (Kontakt/Vertrauen), ohne abzulenken.
- Dateien sind zugeschnitten, komprimiert und in modernem Format exportiert.
- Look ist einheitlich (Licht, Perspektive, Farbgefühl).
Fazit: Bilder sind Gewürz – nicht die Hauptzutat
Ein stimmiges Menü entsteht nicht durch möglichst viele Fotos, sondern durch die richtigen Bilder an den richtigen Stellen. Der Header setzt den Ton, der Body zeigt Highlights, der Footer schafft Vertrauen. Wenn du dann noch Dateigrößen im Griff hast und eine einheitliche Bildsprache wählst, wirkt dein Menü sofort hochwertiger – und bleibt schnell genug, dass Gäste nicht warten müssen.
Wenn du heute nur eine Sache umsetzt: Nimm dein bestes, ruhigstes Motiv als Header, komprimiere es sauber und ergänze im Body nur ein einziges Bild für dein Signature-Gericht. Du wirst überrascht sein, wie „fertig“ das Menü plötzlich aussieht.